Berechnung der Profitabilität für Amazon (FBA) Produkte

29.11.2017

Berechnung der Profitabilität für Amazon (FBA) Produkte

Jedes Geschäft muss sich lohnen. Daher ist die Frage nach der Profitabilität eine der ganz wichtigen. Nach Abzug aller direkten Kosten für Beschaffung, Versand und Vertrieb muss am Ende ein positiver Deckungsauftrag erwirtschaftet werden.

Profitabilität auf Produktebene ermitteln

Das folgende Beispiel zeigt ein Modell zur Berechnung eines Deckungsauftrages auf Produktebene mit den wichtigsten Kostenpositionen. Dieses Modell müssen Sie an Ihre Bedürfnisse anpassen, vor allem in Bezug auf die Kostentreiber und Gewinnanforderungen.

Im Modell werden die Berechnungen auf Netto-Basis durchgeführt, da von einer Vorsteuerabzugsberechtigung ausgegangen wird. Kleinunternehmer nach § 19 UStG müssen die Berechnung immer inkl. Vor- und Umsatzsteuer durchführen. Das Rechenbeispiel ist fiktiv und bedient sich hochwertiger Teelichthalter (hergestellt in China).

Beschaffungskosten

Als Beschaffungskosten werden alle Kosten bezeichnet, die anfallen bis das Produkt in Ihrem eigenen Lager oder dem von Amazon versandfertig ist. Im Beispiel der Teelichter aus China zahlen Sie insgesamt 3.886 Euro, die sich wie folgt nach Priorität aufschlüsseln:

  1. Lieferantenkosten (Kosten für die Herstellung, bzw. Verkauf Ihres Produktes. Im Beispiel verlangt der chinesische Hersteller bei Abnahme von 1000 Stück 2,50 USD. Ergibt 2550 Euro, bei einem Wechselkurs von 0,90 €/USD. Als Zusatz gibt der Hersteller noch FOB Ningbo an)
  2. Speditionskosten: FOB (Incoterm, steht für Free on Board, d.h., dass der Lieferant das Produkt bis zum Hafen in Ningbo liefert. Für alles Weitere sind Sie als Verkäufer zuständig. Bei der Spedition werden 850 € fällig.)
  3. Zoll: Der Zoll verlangt 6 % vom Zollwert. (Zollwert (im Regelfall) = Beschaffungskosten plus Frachtkosten) Im Beispiel sind dies 2.250 € + 850 € = 3.100 €, dav. 6% = 180 €. Zusätzlich fallen für den Inlandstransport noch 600 € an. Insgesamt zahlen Sie 3.886 €.

Kostenart

Wert in €

Lieferant für 1.000 St.

2.250

Seefracht inklusive Handling

850

Zollwert

3.100

Zollsatz 6 %

186

Einfuhrkosten

3.286

Straßentransport innerhalb Deutschlands

600

Gesamtkosten bis Lager in Deutschland

3.886

Ermittlung der Beschaffungskosten

Zusatzkosten für die Verkaufsvorbereitung des Produktes

Unter Aufbereitung versteht man alle Maßnahmen, die Sie treffen müssen, um das Produkt bei Amazon versandbereit zu machen. Dies können zum Beispiel eine hochwertige Verpackung (angenommen 900 €) oder aufwendige Produktfotos (je Stück 60 €) sein. Ebenso ist es möglich, dass Sie die Ware in mehreren Kartons verpackt ausliefern möchten. (Plus 30 €). Die Gesamtkosten erhöhen sich damit wie folgt:

Kostenart Wert

in €

Gesamtkosten bis Lager in Deutschland

3.886

Gestaltung der Verpackung

250

Produktion der Verpackung inklusive Versand

900

Fotos

300

Versand zum Lager Amazon

30

Gesamtkosten bis Lager Amazon

5.366

Ermittlung der Gesamtkosten

Wir halten fest: Bis die Ware im Amazon Lager ankommt, fallen Kosten i.H.v. 5.366 € an. Dies ergibt pro Stück 5,37 € (netto). Die anfänglichen 2,50 USD (= 2,25 €) haben sich somit fast verdoppelt.

Amazon Verkaufsgebühr

Für das nun Folgende ist eine Rückwärtsberechnung vom Verkaufspreis inkl. Umsatzsteuer nötig. Ihre Erwartung geht dahin, dass Sie für den Teelichthalter in Anbetracht der Qualität,  Ausführung und Konkurrenzsituation maximal 16,90 € (inkl. USt.) erzielen können. Abzüglich der Umsatzsteuer würden Ihnen 14,20 € verbleiben.

Verkaufsprovision des Produktes bestimmen

Angenommen Sie nutzen das "Professionelle Verkäuferkonto". Dieses kostet monatlich 39 €. Im Unterschied zum "Basiskonto" fallen hier keine 0,99 € je Artikel an. Amazon unterscheidet regulär Medienprodukte (Bücher, CDs, Videos, DVDs) und Nichtmedienprodukte (alle anderen Produkte). Für die Profitabilität entscheidend:Amazon erhebt für jeden Verkauf eine Mindestgebühr immer dann, wenn die ermittelte prozentuale Gebühr unter dem Mindestverkaufswert liegt. Die Tabelle zeigt die Verkaufsgebühr mit Stand November 2016.

Kategorie

Variable Abschlussgebühr

Mindestverkaufsgebühr

Additive Fertigung

0

0,50 €

Auto & Motorrad

15%

0,50 €

Baumarkt

0

0,50 €

Bier & Wein

15%

Bücher, Musik, VHS, DVD

0

Computer

0

0,50 €

Computerzubehör

0

0,50 €

Elektroinstallation

12%

0,50 €

Elektronik

7%

0,50 €

Elektronikzubehör

12%

0,50 €

Elektrogroßgeräte

7%

0,50 €

Fahrräder

10%

0,50 €

Industrielle Werkzeuge & Instrumente

12%

0,50 €

Lebensmittel

15%

Materialtransportprodukte

12%

0,50 €

Musikinstrumente & DJ Equipement

12%

0,50 €

Reifen

10%

0,50 €

Schmuck

20%

1,50 €

Schleifmittel & Veredelungsprodukte

12%

0,50 €

Software, Videospiele

15%

Spirituosen

15%

Sport & Freizeit

15%

Systemgastronomie,  Ausrüstung & Zubehör

15%

0,50 €

Uhren

15%

1,50 €

Videospielkonsolen

8%

Zubehör für Amazon Geräte

45%

0,50 €

Zubehör für Gewerbe, Industrie & Wissenschaft

15%

0,50 €

Alles andere

15%

0,50 €

Verkaufsgebühren je Kategorie, Stand: November 2016

Die Verkaufsgebühr bezieht sich immer auf den Bruttoverkaufspreis. Beispiel: Sie verkaufen einen Tennisschläger für 99 € inkl. USt _(Kategorie Sport & Freizeit) _so wird eine Provision an Amazon i.H.v. 15% = 14,85 € (exkl. USt) fällig. Für Sie als Händler wäre es korrekter, die Provision auf den Netto-Verkaufspreis zu beziehen. Wenn Sie das tun, werden Sie merken, dass Sie nicht 15%, sondern knapp 18% an Amazon zahlen.

Weitere Abschlussgebühr für Medien

Bei Medienartikeln kommt noch eine weitere Abschlussgebühr hinzu. Diese wird durch die Versandart bestimmt.

Typ

Deutschland Standardversand

Deutschland Expressversand

EU, Schweiz. Liechtenstein

Übriges Europa

Andere Länder weltweit

Bücher

1,01 €

2,03 €

1,01 €

6,86 €

3,23 €

Musik

0,81 €

2,03 €

1,91 €

7,91 €

5,82 €

Videos (VHS)

0,81 €

2,03 €

1,86 €

6,86 €

3,23 €

DVDs

0,81 €

2,03 €

1,91 €

8,91 €

7,32 €

Abschlussgebühren ab 1. August 2017

Das heißt: Wenn Sie ein Buch für 49 € (inkl. USt) verkaufen, so zahlen Sie 15 % auf 49 € und auch 1,01 €, also insgesamt 8,36 €. Im Beispiel der Teelichthalter müssen wir 15% auf 16,90 € zahlen. Das sind 2,54 €, die die Profitabilität beeinflussen.

Die aktuelle Preisübersicht finden Sie hier: https://services.amazon.de/programme/online-verkaufen/preisgestaltung.html

Versandkosten bei "Versand durch Amazon"

Wenn Sie via Amazon versenden, so kommen die Kosten für Versand und Lagerung noch hinzu. Versandkosten errechnen sich durch die Faktoren Abmessung und Gewicht (inkl. Verpackung). Amazon unterscheidet auch hier zwischen Medien- und Nichtmedienprodukten und Produkten in Übergröße. Bedingungen für Produkte in Übergröße:

  • Gewicht > 12 kg
  • Länge > 45 cm
  • Breite > 34 cm
  • Höhe > 26 cm

Für die 3 Kategorien gelten unterschiedliche Preismodelle. In unserem Beispiel Teelichthalter (Größe 20 x 20 x 20 cm, Gewicht 350 g, ohne Amazon-Verpackung) hilft ein Blick in die folgende Tabelle zur Amazon Preisübersicht:

Kosten Versand durch Amazon für Nichtmedienprodukte

In der Kategorie Standard-Paket (kürzeste Seite überschreitet die max. Größe für einen Großbrief, Verpackung wiegt 100g, Die ausgehende Sendung wiegt insg. 450g) werden 2,46 € pro Versand in Deutschland fällig. Amazon hat kürzlich eine weitere Gebühr von 0,50 € für Sendungen die aus Deutschland heraus verschickt werden eingeführt, um deutsche Distributionszentren zu entlasten. Somit müssen pro Artikel 2,96 € gezahlt werden.

Die gesamte Gebührenübersicht finden Sie hier: https://services.amazon.de/programme/versand-durch-amazon/preisgestaltung.html

Lagerkosten beim "Versand durch Amazon"

Nicht nur der Versand durch Amazon ist im Programm "Versand durch Amazon" beinhaltet, sondern auch die Lagerung. Abhängig vom belegten Lagerraum wird auch hier eine Gebühr erhoben. Der Preis nach Kubikmeter belegtem Lagerraum richtet sich auch nach dem Kalendermonat. In der Vorweihnachtszeit liegt dieser bei 28 € pro m³, in der Restzeit bei 20 € pro m³. Somit hängen die Gesamtkosten der Lagerung davon ab, wie schnell Sie Ihre Ware abverkaufen. Im Beispiel belegen 500 Artikel exakt 2 m³. davon ausgehend, dass diese im Zeitraum März bis Juli alle verkauft werden müssen im Mittel 2 m³ x 20 € x 40 € pro Monat an Amazon bezahlt werden. Insgesamte Lagerkosten: 5 x 40 € = 200 € oder 0,20 € pro Stück.

Gesamtrechnung laut Tabelle:

Beschreibung

Wert in €

Preis inklusive USt.

16,90

abzgl.19 % USt.

2,70

Nettoverkaufspreis

14,20

Amazon Verkaufsgebühr

2,54

Amazon Versandgebühr

2,96

Amazon Lagergebühr

0,20

Produktstückkosten inklusive Nebenkosten

5,37

Stückgewinn

3,13

Ermittlung des Stückgewinns

Retouren und deren Auswirkung

In der Praxis sind Retouren normal, da nicht immer alles gefallen kann. Oft sind diese Rückläufer jedoch nicht wieder verkäuflich. Die Rücklaufquote hat maßgeblichen Einfluss auf die Profitabilität. Bei Rücklauf zieht Amazon Ihnen den Umsatz wieder ab bei gleichzeitiger (mitunter auch teilweiser) Erstattung der Verkaufsgebühr. Am Teelichterbeispiel bleibend: Angenommene Retourenquote 5%, Artikel sind nicht wieder verkaufbar. Amazon zieht erneut bei 50 Bestellungen den Umsatz ein (50 x 14,20 € = 710 €) und erstattet Ihnen 80 % der Verkaufsgebühr von 50 x 2,54 € = 101,60 €. Die Differenz (710 € und 101,60 €) wirkt sich auf das Gesamtergebnis belastend wie folgt aus:

Pro Stück

Pro Monat

Gesamt

Verkaufte Menge

200

1.000

Verkaufspreis brutto

16,90 €

3.380 €

16.900 €

Mehrwertsteuersatz

19%

Verkaufspreis netto

14,20 €

2.840 €

14.202 €

Amazon Verkaufsprovision in €

2,54 €

507 €

2.535 €

FBA Gebühr

2,96 €

592 €

2.960 €

Lagergebühr

0,20 €

40 €

200 €

Stückkosten

5,37 €

1.074 €

5.370 €

Nettogewinn vor Retouren

3,13 €

627 €

3.137 €

Kosten Retouren 5%

0,61 €

122 €

610 €

Nettogewinn nach Retouren

2,53 €

505 €

2.527 €

Vereinfachte Ermittlung des Nettogewinns nach Retouren

Hinweis. Im Beispiel wurden Kosten für Rücksendung oder Vernichtung unbrauchbarer Waren ebenso wenig berücksichtigt wie Kosten für Werbemaßnahmen auf Amazon. Ebenso wurde im Beispiel ein stabiler Verkaufspreis zugrunde gelegt. Gemeinkosten fanden ebenso keine Beachtung. Das Beispiel soll vielmehr verdeutlichen, dass der Deckungsbeitrag trotz eines vielfach höheren Verkaufspreises deutlich niedriger ausfällt als im stationären Handel.

Fazit: Eine gute Kalkulation unter Einbeziehung von Puffern ist entscheidend für die Profitabilität. So können Sie auch in der Anfangsphase im Falle eines Preisdrucks besser planen und haben ggf. noch Mittel für Produktwerbung übrig.

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