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Amazon Ausgleichszahlungen / Chargebacks: Das operative Performance Dashboard erklärt

30.11.2021 • Lesezeit: ca. 17 min • von Trutz Fries

Amazon unterhält Beziehungen zu einer Vielzahl von Lieferanten. Täglich gehen tausende Lieferungen bei Amazon ein. Daher ist es nicht verwunderlich, dass Amazon strenge Vorgaben an dessen Lieferanten (auch Vendoren genannt) stellt, um einen reibungslosen Ablauf der Vereinnahmung der Ware zu gewährleisten.

Amazon hat hierbei auch immer den Kunden im Sinn: Bestellt Amazon Ware bei einem Lieferanten und wird die Bestellung von dem Lieferanten bestätigt, so aktualisiert Amazon häufig direkt die Verfügbarkeitsangaben auf dem jeweiligen Listing. Kommt es im Anschluss zu Verzögerungen bei der Anlieferung, so kann Amazon das Kundenversprechen nicht einhalten und das ist das Letzte, was Amazon mag.

Zu jeder Vorgabe hat Amazon entsprechende Performance-Kennzahlen entwickelt, die der Lieferant einhalten muss. Erreicht der Lieferant bestimmte Performance-Ziele nicht, so sanktioniert Amazon das mit sog. Ausgleichszahlungen (auch “Strafzahlungen” oder “Chargebacks” genannt). Hier ein einfaches Beispiel: Amazon möchte, dass die Rechnungen zu einer Bestellung von Amazon vollständig digital übermittelt werden. Schickt der Lieferant stattdessen eine Papierrechnung, fallen 5 Euro Ausgleichszahlung an.

Ausgleichszahlungen = Strafzahlung = Chargebacks
Amazon Ausgleichszahlungen werden auch Chargebacks oder Strafzahlungen gennant. Wir verwenden die Begriffe im folgenden synonym.

Ausgleichszahlungen können an verschiedenen Stellen anfallen: angefangen beim Import, über die Versandvorbereitung und Übermittlung der Daten, über die physische Anlieferung im Fulfillmentcenter bis hin zur Rechnungsstellung.

In diesem Artikel erklären wir, welche Vorgaben Sie als Lieferant beachten müssen, welche Ausgleichszahlungen bei Missachtung anfallen und wie Sie ggfs. Widerspruch einlegen können.

Das operative Performance Dashboard für Vendoren

Auf der Seite Operative Performance erhalten Sie - wie der Name vermuten lässt - wesentliche Einblicke in Ihre operative Performance als Lieferant aus der Sicht von Amazon.

Klicken Sie in Vendor Central unter “Berichte” auf “operative Performance”, um zum Dashboard zu gelangen. Im oberen Teil der Seite finden Sie eine Liste aller Kennzahlen zur operativen Performance sortiert nach deren Status, wobei kritische Werte zuerst angezeigt werden. Es werden der Status, die Quote von Verstößen gegen Richtlinien sowie ggfs. angefallene Ausgleichszahlungen im ausgewählten Zeitraum angezeigt.

Liste der Verstöße, wobei kritische Werte zuerst angezeigt werden
Liste der Verstöße, wobei kritische Werte zuerst angezeigt werden

Klicken Sie auf eine der Kacheln, so erhalten Sie darunter weitergehende Informationen. Ins Auge sticht dabei das Diagramm, welches Ihre Leistung hinsichtlich der angegebenen Kennzahl im Zeitablauf darstellt.

das Diagramm stellt die Leistung im Zeitablauf dar
das Diagramm stellt Ihre Leistung im Zeitablauf dar

Über dem Diagramm sehen Sie auch, dass ein Performance-Ziel ggfs. aus weiteren Unterzielen besteht. Im Beispiel oben sehen Sie das Diagramm für die Kennzahl “Nicht konforme oder inakkurate ASN”. Ziel ist hier eine Quote von maximal 5%. Dieses Ziel setzt sich aus weiteren Unterzielen zusammen:

  • Nichteinhaltung der Pünktlichkeit
  • Falsche Zuordnungen
  • Fehlendes Mindesthaltbarkeitsdatum

Klicken Sie auf “Alle Probleme”, so sehen Sie Ihre Quote hinsichtlich des Oberziels von 5%, z.B. im Verlauf der letzten Monate. Klicken Sie auf die jeweiligen Unterziele, so sehen Sie die Höhe der Ausgleichszahlungen je Unterziel.

hier sehen Sie die Höhe der Ausgleichszahlung je Unterziel
hier sehen Sie die Höhe der Ausgleichszahlung je Unterziel

Dabei unterscheidet Amazon noch zwischen den Beträgen, auf die es z.B. aufgrund eines Widerspruches verzichtet und auf die es besteht (“Rechnungsbetrag”).

Rechts neben dem Diagramm erhalten Sie ausgewählte Kennzahlen zu dem ausgewählten Zeitraum:

Informationen zur Kennzahl
Informationen zur Kennzahl

Darunter finden Sie die betroffenen Bestellungen (POs=”Purchase Orders”):

Ausgleichszahlung je Bestellung
Ausgleichszahlung je Bestellung

Hier sehen Sie je Bestellung, wie viele Einheiten aus der Bestellung von dem Richtlinienverstoß betroffen waren und wie hoch der Betrag, der ursprünglich veranschlagten Ausgleichszahlung, war.

Mit einem Klick auf den Betrag landen Sie bei den Transaktionen zu dieser Bestellung, bei einem Klick auf die Einheiten auf der Seite mit den Verstößen zu dieser Bestellung.

Verstöße zu dieser Bestellung
Verstöße zu dieser Bestellung

Was sind Amazon Ausgleichszahlungen?

Vendoren liefern Ihre Ware in großen Mengen an Amazon und dienen somit als Lieferanten für Amazon. Von den Lieferanten wird erwartet, dass sie die von Amazon im Lieferantenhandbuch festgelegten Anforderungen einhalten. Das heißt z.B., dass Vendoren vor jeder Bestellung eine vollständige Versandvorabmitteilung an Amazon senden oder dass sie pünktlich liefern. Verstoßen Vendoren gegen die Vorgaben, wird als Folge eine Ausgleichszahlung ausgelöst. Ausgleichszahlungen schmälern den Gewinn der Vendoren, denn Amazon zieht die Strafzahlung vom Gewinn ab und somit wird Ihnen weniger ausgezahlt.

Typen von Ausgleichszahlungen / Chargebacks

Es gibt unterschiedliche Gründe, wieso Ausgleichszahlungen anfallen. Chargebacks fallen an bei fehlerhaften Bestellungen, Problemen bei der Versandvorbereitung, Problemen beim Transport oder Vereinnahmungsprozess. Im Folgenden erläutern wir die möglichen Gründe für eine Ausgleichszahlung:

Verspätete Übermittlung von Importunterlagen

Importieren Sie Ware per Seefracht, müssen Sie die Warenrechnung und alle anderen erforderlichen Handelsdokumente bis zum Schiffabfahrtsdatum an den Amazon-Dienstleister CDS (Century Distribution System) übermitteln. Bei Luftfracht muss die Mitteilung am Tag des Abflugsdatums erfolgen.

Wird das angegebene Zeitfenster nicht eingehalten, beträgt die Ausgleichszahlung für Seefracht 50 Euro pro Dokumentensatz und Tag Verspätung. Für Luftfracht beträgt die Höhe der Ausgleichszahlung 150 Euro pro Dokumentensatz und Tag Verspätung.

Verspätete Buchung für Importlieferungen

Bei Warenlieferungen aus dem Ausland gelten besondere Vorlaufzeiten für die Anlieferung. Importieren Sie Ware per Seefracht, müssen Sie mind. 14 Tage vor dem voraussichtlichen Bereitstellungsdatum einen Termin beim Amazon-Dienstleister CDS buchen. Bei Luftfrachtsendungen muss der Termin mind. drei Tage im Voraus gebucht werden. Wird eine Lieferung nicht rechtzeitig gebucht, kann Amazon nicht sicherstellen, dass die Sendung den Herkunftsort rechtzeitig verlässt und rechtzeitig bei Amazon eintrifft.

Erfolgt die Terminbuchung nicht fristgerecht, wird eine Ausgleichszahlung in Höhe von 3 Prozent des Warenwertes berechnet.

Nichteinhalten des Liefer- / Versandfensters

Nachdem Sie bei Amazon einen Termin für die Anlieferung gebucht haben, sendet Amazon Ihnen eine Auftragsbestätigung zurück. In dieser Auftragsbestätigung finden Sie das vorgegebene Versandfenster, an welches sich Ihr Spediteur halten muss.

Ihnen wird eine Strafzahlung in Höhe von 3 Prozent des Warenwertes berechnet, wenn Sie das Versandfenster nicht einhalten.

Probleme bei der Versandvorbereitung

Kartons und Verpackungsmaterialien müssen die Artikel während des Transports ausreichend schützen. Werden Artikel an Amazon geliefert, die nicht für den Versand angemessen gesichert wurden, fallen folgende Chargebacks an:

  • Folienbeutel: eine Ausgleichszahlung mit der Begründung “Folienbeutel” bedeutet, dass ein Artikel, der in einem Beutel verpackt sein muss, nicht oder nicht ordnungsgemäß in einen Folienbeutel verpackt wurde. Zum Beispiel müssen flüssige Artikel oder lose Komponenten eines Produkts in einem Folienbeutel gesichert werden. Die Höhe der Ausgleichszahlung beträgt 0,50 Euro pro Einheit
  • Luftpolsterfolie: eine Ausgleichszahlung mit der Begründung “Luftpolsterfolie” bedeutet, dass ein Artikel nicht ordnungsgemäß in einer Luftpolsterfolie verpackt wurde. Artikel aus Glas, Keramik oder Geschirr müssen mit einer Luftpolsterfolie während des Versands geschützt werden. Die Höhe der Ausgleichszahlung beträgt 0,50 Euro pro Einheit
  • Umwickeln: Eine Ausgleichszahlung für “Umwickeln”, oder auch “Taping” genannt, bedeutet, dass ein Artikel nicht genügend für den Versand gesichert wurde. Artikel werden umwickelt, um lose Deckel oder Öffnungen zu sichern, sodass während des Versand nichts aus der Verpackung fällt. Die Höhe der Ausgleichszahlung beträgt 0,40 Euro pro Einheit
  • Barcode-Aufkleber: jeder Artikel muss mit einem sichtbaren und scanbaren Barcode auf der Produktverpackung ausgestattet sein, der einer ASIN zugewiesen ist. Amazon empfiehlt, die Scanfähigkeit des Barcodes regelmäßig mit einem Kabelscanner zu testen. Ebenfalls sollten Sie beachten, dass Sie pro Einheit nur einen Barcode verwenden dürfen. Ein Barcode darf auf keinen Fall auf mehreren Kartons angebracht sein. Die Höhe der Ausgleichszahlung beträgt 0,30 Euro pro Einheit
  • Karton: wurde der Artikel während des Versands beschädigt, weil der Karton ihn nicht ausreichend geschützt hat, muss Amazon den Artikel in einen neuen Karton verpacken. Für den zusätzlichen Arbeitsaufwand berechnet Amazon eine Ausgleichszahlung in Höhe von 0,77 Euro pro Einheit

Versand in Originalverpackung (SIOC) / Frustfreie Verpackung (FFP)

Amazon verpackt Produkte für den Versand an Kunden in eigene Kartons. Seit ein paar Jahren möchte Amazon diesen Schritt allerdings immer mehr reduzieren und hat deswegen die Programme “Versand in Originalverpackung” und “Frustfreie Verpackung” ins Leben gerufen. Lesen Sie unseren Artikel zur Amazon Zertifizierung von Produktverpackungen, um einen umfassenden Überblick zu erhalten.

Bei dem sog. SIOC-Programm (ship in its own container) entwerfen Vendoren eigene, für den e-Commerce geeignete Verpackungen, die direkt an den Kunden verschickt werden. Dabei spart sich Amazon den Arbeitsschritt, die Artikel in eigenen Kartons zu verpacken. Vorteil des Programms ist neben den geringeren Transportkosten auch, dass weniger Verpackung benötigt wird.

Das FFP-Programm (frustration free packaging) geht noch weiter als das SIOC-Programm. Dabei werden die Waren der Vendoren auch in den eigenen Verpackungen an die Kunden verschickt, aber zusätzlich erhalten die Verpackungen eine “FFP-Zertifizierung”. Die Zertifizierung bedeutet, dass die Verpackungen leicht zu öffnen sind, möglichst wenig Abfall produzieren, aus wiederverwendbaren Verpackungsmaterialien bestehen und trotzdem das Produkt bestmöglich vor Beschädigungen schützen.

Versenden Sie Produkte, die größer als 35,5 x 34,0 x 26,5 cm oder schwerer als 12,3 kg sind, ist seit dem 1. Oktober 2019 eine Zertifizierung für das Programm “Frustfreie Verpackung” oder “Versand in Originalverpackung” zwingend notwendig. Sind Ihre Produkte noch nicht entsprechend zertifiziert, erhebt Amazon eine Ausgleichszahlung in Höhe von 1,70 Euro pro ASIN.

Hinweis
Auch wenn die Begründung "Versand in Originalverpackung / Frustfreie Verpackung" heißt, ist es ausreichend, wenn Sie Ihre Produkte für das SIOC-Programm zertifizieren lassen. Die FFP-Zertifizierung können Sie zusätzlich beantragen, müssen Sie aber nicht.

Für folgende Produkte gelten Ausnahmeregelungen. Diese müssen nicht verpflichtend für das SIOC- oder FFP-Programm zertifiziert werden:

  • ASINs, die als Hazmat klassifiziert sind: Hazmat ist die Abkürzung für “Hazardous Material” und das bedeutet Gefahrenstoff. Unter die Klassifizierung fallen bspw. Produkte mit Lithium-Ionen-Batterien
  • ASINs der Produktkategorien Fresh oder Media: bei den Produktkategorien handelt es sich um Lebensmittel-Bestellungen
  • ASINs, die mindestens acht Monate alt sind (d.h. ASINs, die vor mehr als acht Monaten auf Amazon angelegt wurden) und von denen in den vergangenen zwölf Monaten weniger als 700 Stück an Amazon versendet wurden
  • eine Ausnahme ist möglich, wenn Artikel an Amazon geschickt werden, allerdings danach mit weiteren Artikeln an den Kunden versendet werden. Amazon verpackt die einzelnen Artikel in ein Päckchen, um den verfügbaren Frachtplatz optimal zu nutzen. Möchten Sie die Ausnahme beantragen, dann klicken Sie in Vendor Central unter “Hilfe” auf “Kontaktieren Sie uns”. Sie wählen die betroffene Produktkategorie aus und klicken anschließend auf “Amazon Zertifizierung von Verpackungen”. Erklären Sie dort Ihre Forderung und fügen ein Bild der Frachtverpackung hinzu
  • Produkte, die lang und dünn sind: damit Sie ein Produkt für das SIOC- oder FFP-Programm zertifizieren können, muss die Produktverpackung mind. eine Größe von 20,32 cm x 11,99 cm x 0,95 cm aufweisen. Verpackte Artikel, bei denen die längste Seite kürzer als 20,32 cm oder die kürzeste Seite kürzer als 0,95 cm oder die mittlere Seite kürzer als 11,99 cm fallen allerdings unter die Ausnahmeregelung und müssen nicht verpflichtend zertifiziert werden

Nicht konforme Information zum Kartoninhalt

Im Amazon Fulfillment Center erfolgen so viele Schritte wie möglich automatisiert. Dazu gehört, dass auf jedem Paket ein Kartoninhaltsetikett angebracht ist, welches -wie der Name besagt- den Inhalt des Kartons auflistet. Das Inhaltsetikett wird beim Eingang der Ware eingescannt, sodass Amazon alle nötigen Informationen zum Kartoninhalt zur Verfügung stehen. Pakete ohne Kartoninhaltsetikett müssen manuell von einem Mitarbeiter angenommen und bearbeitet werden, wodurch ein höherer Arbeitsaufwand entsteht. Der Kartoninhalt ist ebenfalls in der Versandvorabmitteilung, auch ASN (Advanced Shipment Notification) oder Lieferavis genannt, aufgelistet. Vendoren müssen für jede Sendung eine Versandvorabmitteilung an Amazon übermitteln.

Eine Ausgleichszahlung mit der Begründung “Nicht konforme Information zum Kartoninhalt” bedeutet, dass die Versandvorabmitteilung (ASN) unvollständige Informationen zum Kartoninhalt enthält oder dass einige Kartons der Lieferung kein identifizierbares Kartoninhaltsetikett aufweisen.

Bringen Sie auf jedem Paket Ihrer Lieferung ein Kartoninhaltsetikett an. Das Etikett muss eine GS1-128 Standard SSCC (Serial Shipping Container Code) oder eine AMZNCC (Amazon Container Code) Nummer als Klartext und Barcode aufweisen, eine Versandvorabmitteilungsnummer als Klartext und Barcode oder eine vollständige Liste der Bestellungen. Der SSC- und AMZNCC-Code vereinfachen den automatischen Empfangsprozess. Wenn Sie Ihre Versandvorabmitteilung über EDI (electronic data interchange) übermitteln, benötigen Sie einen SSCC-Code. Übermitteln Sie die Versandvorabmitteilung in Vendor Central, dann brauchen Sie eine AMZNCC-Nummer.
Ausführliche Informationen zu den Anforderungen an Versandetiketten erhalten Sie in Vendor Central (opens new window).

Die Höhe der Ausgleichszahlung beträgt 0,14 Euro pro Einheit, die ohne die korrekten Informationen zum Kartoninhalt versendet wurde.

Überlieferung

Amazon bestellt bei Vendoren die Anzahl an Artikeln, die sie voraussichtlich verkaufen werden. Schicken Vendoren nicht die genaue Anzahl, die Amazon bestellt hat, kann es zu Problemen kommen. Liefern Vendoren zu wenig, kann Amazon den Bestellungen der Kunden nicht nachkommen. Liefern Vendoren zu viel, wird mehr Lagerraum benötigt und es kann zu einem Überbestand des Artikels führen.

Stellt Amazon Ihnen eine Ausgleichszahlung in Rechnung mit der Begründung “Überlieferung” bedeutet es, dass Amazon eine höhere Stückzahl eines Artikels erhalten hat, als Sie in der Bestellung, auch PO (Purchase Order) genannt, bestätigt haben. Wenn z.B. in einer Bestellung zehn Einheiten eines Artikels übermittelt und bestätigt wurden, Amazon allerdings zwölf Stück erhält, werden zwei Stück als “Überlieferung” angerechnet.

Achten Sie darauf, nur die von Amazon bestellte Stückzahl zu verschicken. Geben Sie konkret an, welche Produkte als Packung bestellt werden und aus wie vielen Einheiten eine Bestellung besteht. Möglicherweise wurde eine Bestellung versehentlich mehrfach übermittelt oder Sie haben weniger Einheiten bestätigt, als ursprünglich bestellt wurden. Sie können die bestätigte Stückzahl bis zu 48 Stunden nach Aufgabe der Bestellung in Vendor Central reduzieren. Eine Erhöhung ist nicht zulässig.

Versenden Sie mehr Einheiten als Sie in der Bestellung von Amazon bestätigt haben, müssen Sie 0,60 Euro je Einheit, die Sie zu viel gesendet haben, bezahlen.

Nicht konforme oder inakkurate ASN

Die Versandvorabmitteilung, auch ASN (Advanced Shipment Notification) oder Lieferavis genannt, enthält alle erforderlichen Informationen zu Ihrer Lieferung. Die ASN ist eine digitale Benachrichtigung, in der Sie den konkreten Inhalt der Lieferung auflisten. Sie geben genau an, welche Produkte Sie in welchen Mengen liefern. Sie übermitteln die ASN entweder im elektronischen Format über die EDI-Schnittstelle (opens new window) (Electronic Data Interchange) oder über die Funktion “Rechnungen erstellen” in Vendor Central. Klicken Sie in Vendor Central unter “Zahlungen” auf “Rechnung verwalten”, um eine Rechnung in Vendor Central zu erstellen. Sie können die Versandvorabmitteilung bis zu sieben Tage nach der Erstellung bearbeiten. Wie bereits beschrieben, kann die Menge der bestellten Artikel reduziert werden, nicht aber erhöht werden und Artikel können aus der ASN entfernt werden. Die ASN muss dem Spediteur zur Verfügung stehen, bevor er den Liefertermin in Carrier Central anfordert. Das Carrier Central ist eine Internetseite, die Spediteure nutzen, um einen Liefertermin bei einem Amazon Fulfillment Center anzufordern. Sobald die Sendung im Amazon Fulfillment Center eintrifft, wird die ASN automatisch mit dem Kartonetikett abgeglichen. Die Lieferpapiere müssen exakt mit der Lieferung übereinstimmen.

Eine Ausgleichszahlung mit der Begründung “Nicht konforme oder inakkurate ASN” bedeutet, dass Amazon Ihre Versandvorabmitteilung nicht vor dem Eingang Ihrer Lieferung in einem Fulfillment Center erhalten hat oder dass Informationen auf der ASN falsch waren bzw. gefehlt haben.

Übermitteln Sie alle relevanten Informationen in der Versandvorabmitteilung für jede Lieferung und stellen dem Transport-Dienstleister die Frachtbrief-/PRO-Nummer Ihrer ASN bereit, damit dieser einen Anliefertermin vereinbaren kann.

Wird die ASN nicht ordnungsgemäß an Amazon übermittelt, fallen Strafzahlungen zwischen 0,07 bis 1,70 Euro pro Einheit an. Genaue Informationen zu den einzelnen Gebühren finden Sie in Vendor Central (opens new window).

Rechnung nicht elektronisch übermittelt (Papierformat)

Nachdem Sie die Bestellung an Amazon versendet haben, stellen Sie eine Rechnung an Amazon. Es gibt zwei Möglichkeiten, eine Rechnung an Amazon zu senden: Sie erstellen die Rechnung in Vendor Central mit Hilfe der Funktion “Rechnung erstellen” oder verwenden die EDI-Schnittstelle. Elektronisch erstellte Rechnungen minimieren den Arbeitsaufwand und die damit verbundenen Kosten. Übermitteln Sie Ihre Rechnungen in Papierform oder als PDF-Datei in Vendor Central unter “Kontaktieren Sie uns”, dann hat Amazon zusätzliche Arbeit.

Eine Ausgleichszahlung “Rechnung nicht elektronisch übermittelt (Papierformat)” bedeutet, dass Sie zur Übermittlung von Rechnungen nicht die von Amazon vorgeschriebenen Optionen genutzt haben.

Nutzen Sie in Vendor Central die Funktion “Rechnung erstellen” oder die EDI-Schnittstelle. Mit Hilfe der Schnittstelle lassen sich Rechnungen automatisch erstellen und aktualisieren.

Für jede andere Form der Rechnungsübermittlung berechnet Amazon 5 Euro Chargebacks pro Rechnung.

Lieferunpünktlichkeit

Sofern Sie einen eigenen Spediteur haben (“Prepaid” Anlieferung) sind Sie für den Versand an Amazon verantwortlich. Der Spediteur muss auf der Seite des Carrier Centrals im CARP (Carrier Appointment Request Portal) ein Lieferfenster (CRDD: Carrier Requested Delivery Date) beantragen und in diesem Zeitraum die Artikel anliefern. Amazon möchte die Wartezeit bestmöglich reduzieren und deshalb müssen Spediteure das vereinbarte Lieferfenster einhalten. Ebenso ist es für Amazon wichtig, dass die Bestellungen pünktlich ankommen und nicht storniert werden, um das Kundenversprechen erfüllen zu können.

Verspätet sich der Spediteur um mehr als 30 Minuten und hält er das Lieferfenster nicht in mind. 90 Prozent der Fälle ein, kommt es zu einer Ausgleichszahlung wegen “Lieferunpünktlichkeit”.

Selbst wenn Ihr Versand-Dienstleister pünktlich am Amazon Fulfillment Center ankommt, kann es passieren, dass aufgrund von unvorhersehbaren Wartezeiten, das Lieferfenster nicht eingehalten werden kann. Wenn der Spediteur merkt, dass sich die Lieferung verzögert und das Lieferfenster nicht eingehalten werden kann, sollte er sich an das ROC (Relay Operation Center) wenden, um die Buchung zu verschieben. Schafft der Spediteur es nicht mehr, am selben Tag noch zu liefern, sollte er ebenfalls mit dem ROC Kontakt aufnehmen, um einen neuen Liefertermin zu vereinbaren. Damit der Empfangsprozess problemlos verläuft sollte der Lieferant die zwei Dokumente zur Hand haben: die Amazon-Lieferterminnummer (ISA-Nummer) sowie die Frachtbriefdokumentation.

Die Höhe der Ausgleichszahlung beträgt bei einer unpünktlichen Lieferung 3 Prozent der Warenkosten. Wird der Versand von Amazon automatisch storniert, weil die Bestellung nicht bis zum Stornierungsdatum geliefert wurde, werden Ihnen 9 Prozent der Produktkosten als Chargebacks berechnet. Die Gebühr wird Ihnen nicht berechnet, wenn die durchschnittliche Pünktlichkeit in den vergangenen vier Wochen bei über 90 Prozent lag.

Annahmeverweigerung

Entspricht eine Lieferung nicht den von Amazon vorgegebenen Richtlinien, kann Amazon die Annahme verweigern. Amazon nimmt Lieferungen z.B. nicht an, wenn unzulässige Paletten verwendet werden oder Fahrzeuge nicht sicher entladen werden können. Außerdem kann eine Annahme verweigert werden, wenn Amazon eine Bestellung storniert hat und diese trotzdem gesendet wird.

Eine Ausgleichszahlung mit der Begründung “Annahmeverweigerung” bedeutet, dass Ihre Anlieferung gegen die Richtlinien von Amazon verstößt.

Die Höhe der Ausgleichszahlung beläuft sich auf 290 Euro pro Lieferung, die nicht angenommen wird.

Spediteur nicht erschienen

Pünktliche Anlieferungen im Fulfillment Center sind wichtig für eine reibungslose Arbeitsweise. Wenn Artikel nicht zum vereinbarten Liefertermin eintreffen, verursacht das Probleme bei der Planung des Lagerbestandes. Eine mögliche Folge ist, dass Amazon die Lieferversprechen nicht einhalten kann.

Die Ausgleichszahlung “Nicht-erschienen” bedeutet, dass ein bestätigter Liefertermin nicht wahrgenommen wurde und der Spediteur den Termin nicht rechtzeitig abgesagt hat.

Besprechen Sie den geplanten Termin mit Ihrem Transport-Dienstleister und informieren Sie Amazon über den Termin im CARP (Carrier Appointment Request Portal).

Erscheint der Spediteur nicht, berechnet Ihnen Amazon eine Ausgleichszahlung von 290 Euro pro Lieferung.

Wie widerspreche ich Ausgleichszahlungen?

Wenn Sie der Meinung sind, dass Ihnen fälschlicherweise eine Ausgleichszahlung berechnet wurde, können Sie einen Widerspruch gegen die Ausgleichszahlung einlegen.

Klicken Sie dafür in Vendor Central unter “Berichte” auf “operative Performance”. Anschließend klicken Sie oben rechts auf den Link “Liste der Verstöße anzeigen”, um die Detailseite der einzelnen Verstöße aufzurufen. Dort wird Ihnen eine Liste der einzelnen Ausgleichszahlungen angezeigt. In der Liste finden Sie die Transaktions-ID, die Bestellnummer, den Status der Belastung, das Datum, das Produkt, sowie die Höhe der Ausgleichszahlung.

Liste aller Verstöße
Lite aller Verstöße

Sie können den Betrachtungszeitraum eingrenzen, nach Produkten suchen und die Liste als CSV-Datei exportieren.

Um einen Widerspruch einzulegen, klicken Sie auf eine Transaktions-ID und anschließend auf “Dieser Ausgleichszahlung widersprechen”.

Dieser Ausgleichszahlung widersprechen
Dieser Ausgleichszahlung widersprechen

Möchten Sie gegen mehrere Zahlungen Widerspruch einlegen, dann markieren Sie die Kästchen neben der Transaktions-ID und wenn Sie alle auswählen möchten, markieren Sie das übergeordnete Kontrollkästchen in der Kopfzeile. Danach klicken Sie neben der Tabelle unter “Verfügbare Aktionen” auf “Widerspruch”.

Amazon leitet Sie zu einer Seite weiter, auf der Sie den Widerspruch begründen müssen.

Widerspruch begründen
Widerspruch begründen

Amazon überlässt Ihnen nur 2000 Zeichen, um Ihren Widerspruch zu begründen. Somit ist es essentiell, den Widerspruch mit geeigneten und korrekten Beweisen zu untermauern:

erhalten Sie eine Ausgleichszahlungen wegen “Lieferunpünktlichkeit”, dann müssen Sie Amazon nachweisen, dass der Spediteur rechtzeitig beim Fulfillment Center angekommen ist. Fügen Sie Ihrem Widerspruch Screenshots des Spediteurs hinzu, die beweisen, dass er rechtzeitig vor Ort vor wird Ihnen eine Ausgleichszahlung mit der Begründung “Probleme bei der Versandvorbereitung” berechnet, beweisen Sie durch Fotos, dass die Artikel angemessen in Luftpolsterfolie oder in einem Folienbeutel verpackt wurden

Sie können bis zu 30 Tage nach dem Datum der Benachrichtigung zur Ausgleichszahlung einen Widerspruch einreichen. Wird der Einspruch abgelehnt, haben Sie erneut 30 Tage Zeit, einen weiteren Widerspruch einzureichen. Wird der zweite Widerspruch auch abgelehnt, dann können Sie nichts weiteres unternehmen.

Fazit

Wie beschrieben, gibt Amazon Vendoren eine Vielzahl an Vorgaben für die Abwicklung einer Bestellung vor. Werden Vendoren den Anforderungen nicht gerecht, wird ihr Gewinn durch Ausgleichszahlungen verringert und das kann je nach Ausgleichszahlung eine große Summe ausmachen.

Der Performance Bericht in Vendor Central enthält Kennzahlen für verschiedene Arten von Verstößen. Das Dashboard zeigt Vendoren ihre Ausgleichszahlung auf, verdeutlicht, wie sich die Verstöße im Zeitverlauf verringert bzw. vermehrt haben und sie erhalten Tipps, wie man Ausgleichszahlungen in Zukunft vermeiden kann. Ebenfalls können Sie in Vendor Central einer Strafzahlung widersprechen, wenn Sie nachweisen können, dass diese unberechtigt ist.

Wenn Sie sich noch mehr mit dem Thema beschäftigen möchten, sollten Sie das Lieferantenhandbuch, auch Vendor Manuel genannt, durchlesen. Das Lieferantenhanbuch beinhaltet alle notwendigen Informationen, die Sie für die Lieferung an Amazon benötigen. Es enthält konkrete Informationen und Anweisungen zu Bestellungen, Vorbereitungen, Lieferungen und der Zustellung der Produkte an Amazons Fulfillment Center. Sie finden das Lieferantenhandbuch auf der Hilfeseite unter “Ressourcenzentrum”. Klicken Sie dort unter “Geschäftsablauf” auf “EU weit Vendor Manuel”, um das Lieferantenhandbuch runterzuladen.

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