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Tricks chinesischer Händler - am Beispiel erklärt

18.04.2020 • Lesezeit: ca. 4 min • von Trutz Fries

Um neue Produkte auf dem deutschen Markt zu platzieren, nehmen chinesische Händler häufig diverse Abkürzungen. Anhand von einigen Beispielen zeigen wir Ihnen, wie die Händler konkret vorgehen.

Künstlicher Aufbau von Sterne-Bewertungen

Rezensionen spielen eine wichtige Rolle, wenn es um den Abverkauf von Produkten geht. In der Regel gilt: Je mehr Rezensionen, desto höher die Anzahl der Verkäufe. Vor allem chinesische Händler helfen hier gern nach, um einem Produkt mehr Glaubwürdigkeit zu verleihen.

Ein Blick in die Neuerscheinungen von Amazon reicht häufig, um Produkte zu finden, die bei denen Verkäufer mit Bewertungen nachgeholfen haben. Neue Produkte verfügen in der Regel nur über wenige Produkte, daher fallen Produkte mit vielen Rezensionen hier schnell auf.

Amazon Neuerscheinungen auf amazon.de

Hier springen einem die Kandidaten auf Platz 2 und 3 direkt ins Auge. Knapp 37.700 Sternebewertungen für ein neues Produkt? Respekt! Schauen wir uns das Produkt auf Platz 3 mal näher an.

Amazon Produkt mit vielen Bewertungen

Laut Produktdetailseite ist dieses Produkt seit dem 4. April verfügbar. Zwei Wochen später soll dieses Produkt also schon 37.663 Rezensionen haben? Wohl kaum. Da wurde nachgeholfen. Das sieht man auch, wenn man das Verhältnis der Rezensionen mit Text ins Verhältnis der Bewertungen insgesamt anschaut. Hier gibt es gerade mal 80 Bewertungen mit Text und von diesen 80 sind gerade mal 24 verifiziert, d.h. diese wurden auch tatsächlich von den Rezensenten gekauft.

Schaut man sich den Verlauf der Rezensionen an, so sieht man, dass die ersten Rezensionen alle unverifiziert, durchweg positiv sind und alle in kurzer Zeit abgegeben wurden. Erst dann kamen die verifizierten Käufe, deren Bewertung deutlich kritischer ist. Aber bei über 37.000 positiven Sternebewertungen fallen diese kaum ins Gewicht.

Unverifizierte Fake Rezensionen

Schaut man sich darüber hinaus die Profile der Personen an, die das Produkt loben, dann trifft man z.B. auf das Profil von Manfred, der in den letzten 6 Monaten insgesamt knapp 100 Rezensionen abgegeben hat. Alle mit 5 Sternen. Manfred hat wohl Glück, jeder "Kauf" ein Treffer. Und Manfred ist fleißig. Alle 2-3 Tage veröffentlicht Manfred eine Rezension. Manfred muss viel Geld haben.

Oder hat Manfred die Produkte gar nicht gekauft? Bekommt Manfred die Produkte ggfs. geschenkt oder sogar noch Geld für seine Rezension? Wir wissen es nicht, aber komisch sieht es schon aus und unüblich sind diese Black-hat-Taktiken nicht. Ein schneller Blick in ein paar Facebook Gruppen genügt, und schon wird man mit solchen Angeboten überschüttet.

Aber auch auf Messenger Diensten wie Telegram gibt es geschlossene Gruppen, in denen Händler Ihre Produkte zur Rezension inkl. Erstattung des Preises anbieten:

Duplikate bei den Varianten

Künstliche Erzeugung von Varianten

Um schnell viele Rezensionen abzugeben, legen Verkäufer häufig eine Vielzahl an Varianten in kurzer Zeit an, um je Variante die ersten Sterne- oder unverifizierten Bewertungen abzugeben. Schließlich teilen sich die Varianten auch die Bewertungen. Auch im obigen Beispiel sind auf dem Listing diverse Varianten vorhanden, deren Hauptbilder alle fast identisch sind.

Hier die vier Hauptbilder der ersten vier Varianten nebeneinander gestellt.

Duplikate bei den Varianten

Insgesamt gibt es folgende Varianten:

  • Bluetooth-Headset 5.0
  • Henaci-airpods
  • Kabellose In-Ear
  • Popups Touch i17
  • Touch-2020
  • Weiß-2020
  • Weiß-Kopfhörer
  • Wireless Headset 5.0
  • airpods-white
  • white 2020

Nach großen Unterschieden klingt das nicht. So könnte ein "Produkttester" nicht nur eine, sondern gleich zehn Rezensionen abgeben. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Nutzung falscher Bilder

Auf den Bildern sind Kopfhörer abgebildet, die sehr den Original Apple Airpods ähneln. Schaut man jedoch in die Rezensionen, dann scheint etwas anderes geliefert zu werden. Hier ein paar Beispiele aus den Rezensionen:

  • "entgegen der Abbildungen wird ein Kopfhörer (i7s mini) mit Tasten und nicht Touch geliefert."
  • "Geliefert wurden zwei kleine Kartons mit Billig-Versionen, die nichts mit den Bildern und der Beschreibung zu tun hatten."
  • "Produkt nicht wie abgebildet. Billiges Material, schlechte Qualität."
  • "Blinkt wie ein Polizeiauto ist doppelt so groß wie Airpods und die Qualität vom Ton unterirdisch"
  • "Leider wird ein abweichendes Produkt von der gezeigten Bildern geliefert"

Gerade die Nutzung von Apples Airpods als Bild lässt bei potentiellen Käufern Begehrlichkeiten enstehen. Für 25 EUR Produkte wie die von Apple? Das lässt das Herz eines jeden Schnäppchen-Jägers höher schlagen. Die Enttäuschung beginnt dann beim Auspacken.

Nutzung alter ASINs

Gern hängen sich chinesische Händler auch auf alte, ausrangierte ASINs an, z.B. als weitere Variante einer nicht mehr genutzten Produktfamilie. Das Praktische: Die Rezensionen werden direkt geerbt. Dies erkennt man häufig an den Rezensionen, die sich auf ganz andere Produkte beziehen. Man muss hier aber schon genau hinschauen, um das zu erkennen. Auf den ersten Blick sieht alles ok aus, gerade wenn auch die ersten Rezensionen zu dem neuen Produkt eingehen.

Hier ein Beispiel, bei dem Produkt und Rezension nicht wirklich zueinander passen. Oder wurde das Produkt zweckentfremdet?

ASIN Highjacking

Fazit

Es gibt noch diverse weitere Methoden. Und nicht alle chinesischen Händler spielen falsch bzw. gibt es auch deutsche Händler, die bewusst gegen die Richtlinien verstoßen. Eines bleibt festzuhalten: Nachhaltig ist das alles nicht. Produkte, die derart offensichtlich gegen Amazons Richtlinien verstoßen, werden von Amazon in der Regel gelöscht. Nur kann das auch mal dauern und ein paar Wochen reichen den Händlern häufig, damit die Aktion profitabel war. Selbst wenn die Händler komplett gesperrt werden, so verfügen diese häufig über weitere Konten, und dann beginnt das Spiel von vorn.

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