Seit Mitte August 2026 schickt Amazon Action-Required-Nachrichten zur Empowering Consumers for the Green Transition (ECGT) Directive. Angehängt ist oft eine Excel-Datei mit ASINs. Der Stichtag ist 27. September 2026. Wer bis dahin nicht handelt, riskiert die Deaktivierung der betroffenen Angebote.

Für Amazon Seller und Amazon Vendoren ist das nicht an einem Nachmittag mit ein paar Titeln erledigt. Es ist Katalogarbeit in Listing-Text, Bildern und A+ Content, und das in jedem EU-Store einzeln. Das Muster kennen viele schon von der GPSR: Amazon setzt EU-Verbraucherrecht über das Product-Compliance-Dashboard durch und räumt wenig Vorlauf ein.

Dieser Artikel ist eine praxisnahe Orientierung, keine Rechtsberatung. Er zeigt, was Amazon auf der Detailseite verlangt, wo die Claims wirklich sitzen und wie Sie den Katalog in der Breite abarbeiten.

Keine Rechtsberatung

Der Text hilft Seller- und Vendor-Teams bei der operativen Bereinigung. Ob eine konkrete Formulierung auf Ihrem Listing zulässig ist, hängt vom Einzelfall und den Nachweisen ab. Bei rechtlichen Fragen ziehen Sie eine spezialisierte Kanzlei hinzu.

Was Amazon bis zum 27. September verlangt

Amazon hat auf Produktdetailseiten Umweltaussagen gefunden, die nach seiner Einschätzung nicht mit der ECGT-Richtlinie vereinbar sind. Die Richtlinie greift überall dort, wo Sie Umweltaussagen machen, Angaben zur Haltbarkeit oder Reparierbarkeit treffen oder über Verbraucherrechte informieren. Beispiele, die Amazon nennt: eco-friendly, environmentally friendly, sustainable materials, climate-neutral, carbon-neutral. Die Liste ist nicht abschließend.

Zwei Fristen laufen parallel:

Bis wannWas Amazon tun kann
15 Tage nach der ersten AufforderungAmazon kann den gesamten Abschnitt entfernen, in dem der Claim steht
27. September 2026Amazon deaktiviert das Listing, wenn der nicht konforme Claim noch live ist

Die 15-Tage-Welle ersetzt den September-Stichtag nicht. Auch wenn Amazon einen Bullet Point schon gestrichen hat, bleiben Bilder, A+ und die anderen Stores offen.

Die Hilfe-Seite liegt in Vendor Central unter Product compliance, Node GWXUPAD32HTM6FNK. Dieselben Inhalte gelten je Store:

Seller sollten parallel das Compliance-Dashboard in Seller Central prüfen. Die ersten Aufforderungen gehen an Vendoren. Die Pflicht gilt für alle, die an Verbraucher in der EU verkaufen, unabhängig vom Firmensitz.

Die ASIN-Liste ist nur der Einstieg

Amazon hängt oft eine nicht abschließende ASIN-Liste an. Sie deckt nach Amazons Formulierung nur Claims im Listing-Text ab. Trotzdem müssen Claims in Produktbildern und im A+ Content weg, und das für jeden EU-Store getrennt.

Bei einem Katalog mit einigen hundert ASINs über neun Stores sitzen die riskanten Formulierungen oft nicht im Titel, sondern in Infografiken, Vergleichstabellen, Zertifikatsbadges auf Bild 2 bis 7 und in A+-Modulen, die je Marktplatz leicht abweichen. Wer nur die Zeilen aus der Excel-Datei im deutschen Store bereinigt, ist nicht fertig.

Amazon nimmt außerdem Claims auf der physischen Verpackung in den Blick, einschließlich Etiketten, Beilegern und Drucksachen. Für das laufende Angebot zählt zuerst, was der Kunde auf der Detailseite sieht. Die Verpackung im FBA-Karton ist ein zweites Arbeitspaket. Sie rettet das Listing nicht, wenn im Titel und in A+ weiter „sustainable“ steht.

Online-Listings haben keine Altbestandsschonfrist

Die nationalen Verbraucherschutzbehörden im CPC-Netzwerk stellen klar: Es gibt keine Ausnahme für bereits produzierte Ware. Händler müssen ihre B2C-Kommunikation bis zum 27. September 2026 anpassen. Bei physischer Verpackung können Aufkleber oder Zusatzinfos an der Verkaufsstelle reichen. Die Behörden erwarten ausdrücklich, dass Sie Online-Claims aktualisieren. Amazons Produktdetailseiten fallen darunter.

Zwei Schienen: löschen oder belegen

Die erste Amazon-Aufforderung klingt nach einer Löschaktion. Die Vendor-Central-Hilfe beschreibt einen Compliance-Prozess, näher an der GPSR als an Copy-Editing.

Betroffene ASINs sind auf der Product-Compliance-Seite mit ECGT markiert, plus Claim-Typ, etwa „generic green claims“ oder „recyclability claims“. Von dort aus gibt es zwei Wege:

  1. Verbotene Claims müssen vom Listing runter. Amazon verweist auf Edit product details und auf die Product-Compliance-Seite.
  2. Belegpflichtige Claims dürfen stehen bleiben, wenn Sie die Dokumentation hochladen. Fehlt der Nachweis, muss der Claim weg.

Für bestehende Listings laden Sie Nachweise über dieselben Compliance-Media-Attribute hoch, die viele Teams schon von der GPSR kennen:

  • Compliance media content type: Dokumenttyp aus dem Dropdown. Welche Unterlagen Amazon für Umweltaussagen akzeptiert, steht auf der Hilfe-Seite About product documents.
  • Compliance media language: Hauptsprache des Dokuments. Auf Anfrage müssen Sie es in einer offiziellen EU-Sprache liefern können.
  • Compliance media source location: ein Direkt-Download-Link, kein Browser-View-Link.

Das gilt für jeden EU-Store getrennt. Neue Listings sollten verbotene Claims gar nicht erst enthalten. Wer einen belegpflichtigen Claim setzen will, muss die Unterlage mitliefern.

Wiederverkäufer ohne eigene Testdaten sollten die Unterlagen beim Lieferanten anfordern. Amazon erwartet das. Wer ein Produkt dauerhaft nicht mehr anbieten will, markiert es in Vendor Central als dauerhaft nicht verfügbar oder geht, sofern gebucht, über Amazon Vendor Services Priority Support.

Das Compliance-Dashboard in Vendor Central ist derselbe Einstieg wie bei der GPSR.

Welche Claims Amazon beanstandet

Amazon unterteilt Umweltaussagen in Claims, die unter allen Umständen verboten sind, und Claims, die nur mit Nachweis erlaubt sind. Die Beispiele stammen aus der Vendor-Central-Hilfe.

Immer verboten

Claim-TypBeispieleWas Amazon nicht akzeptiert
Generische Umweltaussageneco-friendly, green, sustainable, environmentally friendly, nature’s friend, climate-friendlyvage Marketingfloskeln ohne nachweisbare, anerkannte hervorragende Umweltleistung
Neutralität nur über Offsetclimate-neutral, carbon-neutral, net zero allein über KompensationKompensation senkt die Emissionen des Produkts nicht
Pflicht als USP„frei von [in der EU bereits verbotenem Stoff]“gesetzliche Pflicht als Umweltvorteil verkaufen
Unbelegte Zukunftszielecarbon neutral by 2030ohne öffentlichen Plan, Ressourcen, unabhängige Prüfung und veröffentlichte Ergebnisse
Teilaspekt als Ganzes„sustainable“, weil nur die Verpackung recycelt istdas ganze Produkt oder die ganze Firma grün färben
Vergleich ohne Methode„umweltfreundlicher als …“ohne genannte Vergleichsprodukte, Methode und Aktualisierungsprozess
Irrelevante VorteileNutzen, der nicht aus dem Produkt folgtVorteil, den vergleichbare Produkte sowieso haben
Selbst gemachte Siegeleigene Nachhaltigkeits-Badges auf Bild oder A+ohne anerkanntes Zertifizierungssystem oder staatliche Stelle

Erlaubt, wenn belegt

Claim-TypBeispieleWas Amazon erwartet
Haltbarkeit und Reparaturbuilt to last, durable design, repairablenachvollziehbare Testdaten oder anerkanntes Verfahren. „Long lasting“ ohne Beleg ist verboten. Ein nicht reparierbares Produkt darf nicht als reparierbar dargestellt werden.
Energieeffizienzenergy saving, low energy consumptionanerkannte Norm oder Zahlen, etwa Energieklasse A. „Energy efficient“ ohne Standard ist verboten.
Recyclingfähigkeitfully recyclable, upcycled, designed for recyclingNachweis zum Material und zur Recycling-Infrastruktur im jeweiligen EU-Markt.
Bioabbau und biobasiertcompostable, plant-based, bio-basedBedingungen plus Testdaten. „Biodegradable“ allein gilt als generischer Claim.
PFAS-freifree from PFAS, no forever chemicals, PFOA-freeLaborbeleg.
CO₂-Fußabdruckcarbon-free, climate net zero, low carbon, reduced carbon footprintunabhängig geprüfte Lifecycle-Daten, für Laien verständliche Methode. Offset-Zertifikate tragen Neutralitäts-Claims nicht.

Bei Produkten mit Software-Komponenten kommen Offenlegungspflichten hinzu: negative Update-Folgen nicht verschweigen, optionale Feature-Updates nicht als notwendig darstellen.

Als Nachweis akzeptiert Amazon unter anderem das EU-Umweltzeichen, anerkannte ISO-14024-Typ-I-Zeichen wie Blauer Engel, Nordic Swan, Austrian Ecolabel oder Milieukeur, und nachweislich beste Umweltleistung nach EU-Recht. Der Beleg muss zum Claim passen. Ein Ecolabel ohne Bioabbau-Kriterium trägt „biodegradable“ nicht.

Nicht jede grüne Formulierung muss weg

Amazon listet Wörter zum Entfernen. Operativ heißt das: Allgemeine Aussagen wie „klimafreundliche Verpackung“ sind das Risiko. Die Angabe „100 % der Energie für diese Verpackung stammt aus erneuerbaren Quellen“ kann stehen bleiben, wenn sie wahr ist und klar auf demselben Listing steht, nicht in einem PDF oder im Brand Store. „Nachhaltig“ ist härter: Diese Aussage dürfen Sie nicht allein auf ein Umweltzeichen stützen. Details stehen in der FAQ der Europäischen Kommission zur ECGT-Richtlinie.

Das Climate Pledge Friendly Badge ist kein Freibrief. Anerkannte Zertifikate hinter dem Badge können eine Aussage tragen. Selbst gemachte Siegel auf Bild oder A+ sind unter ECGT verboten. Prüfen Sie deshalb auch CPF-Badges, die Sie selbst auf Produktbilder gelegt haben.

Wo die Claims auf der Detailseite sitzen

Amazon prüft die Seite als Ganzes. In der Praxis sitzen die Treffer hier:

  • Produkttitel, einschließlich Marken- oder Produktnamen mit „Eco“, „Green“ oder „Natural“, wenn der Kunde darin eine Umweltbotschaft liest
  • Bullet Points
  • Produktbeschreibung
  • Backend-Suchbegriffe, soweit sie auf der Detailseite oder in der Suche als Claim durchschlagen
  • Produktbilder, Infografiken, Icons, Blattmotive neben Textpassagen
  • A+ Content und A+ Premium, inklusive Vergleichstabellen
  • Brand Story und Store-Module, die Amazon auf der Detailseite einblendet

Jedes dieser Felder existiert je Store. Ein bereinigtes DE-Listing löst FR, IT oder PL nicht mit.

Den Katalog mit dem AMALYTIX AI-Agenten abarbeiten

Genau hier zahlt es sich aus, den AMALYTIX AI-Agenten auf dem Account zu haben. Für diese Aufgabe gibt es einen eigenen Skill. Der Agent weiß also schon, was zu tun ist. Sie müssen ihn nicht von Grund auf briefen.

Richten Sie ihn auf Ihren Katalog: Er liest Listing-Content und A+-Dokumente, markiert Formulierungen, die ein Listing gefährden, schlägt eine konforme Alternative vor und überträgt die freigegebenen Änderungen an Seller oder Vendor Central.

Ihr Team entscheidet, was belegbar ist. Der Agent sorgt nur dafür, dass niemand tausend Detailseiten aufmachen muss, um das Problem zu finden.

So sieht das im Chat mit dem AMALYTIX AI-Agenten aus:

Prüfe meinen Katalog auf ECGT.
AMALYTIX AI-Agentprüft 412 ASINs in 9 Marktplätzen…

Die Entscheidung bleibt bewusst beim Menschen: nichts geht live, was nicht freigegeben wurde.

Tausend Detailseiten oder ein Prompt

AMALYTIX bündelt Listing-Text, Bilder, A+ und alle Marktplätze in einer Oberfläche. Der AMALYTIX AI-Agent findet die kritischen Formulierungen und überträgt Ihre Freigaben an Amazon. Jetzt 14 Tage kostenlos testen

Fazit

Amazon setzt ECGT so durch wie zuvor die GPSR: über Product Compliance und mit Deaktivierung als Hebel. Der 27. September 2026 ist der harte Stichtag. Schon vorher kann Amazon Textblöcke streichen.

Die ASIN-Liste ist der Einstieg, nicht der Auftrag. Listing-Text, Bilder und A+ in jedem EU-Store gehören dazu. Manche Aussagen müssen weg, andere dürfen mit Nachweis bleiben. Wer nur Wörter löscht und die Unterlagen nicht hochlädt, lässt die zweite Schiene liegen.

Häufige Fragen zur ECGT-Richtlinie auf Amazon

Ich habe keine Aufforderung von Amazon bekommen. Muss ich trotzdem etwas tun?

Ja. Amazons ASIN-Liste ist nicht vollständig, und Seller sehen dieselbe Pflicht im Compliance-Dashboard. Die Richtlinie gilt ab dem 27. September 2026 für Angebote an Verbraucher in der EU. Prüfen Sie Product Compliance und Ihren Katalog, bevor Amazon den ersten Claim selbst entfernt.

Reicht es, ein paar Wörter im deutschen Titel zu streichen?

Nein. Amazons Liste deckt nur Listing-Text ab und ist nicht abschließend. Bilder, A+ und jeder weitere EU-Store sind Teil der Arbeit. Amazon kann den Abschnitt mit dem Claim schon innerhalb von 15 Tagen entfernen und das Listing am 27. September deaktivieren.

Darf Climate Pledge Friendly auf dem Listing bleiben?

Das Programm ist nicht dasselbe wie ECGT. Ein anerkanntes Drittzertifikat hinter dem Badge kann eine Aussage tragen. Ein selbst gestaltetes Nachhaltigkeits-Siegel auf Bild oder A+ ist unter ECGT verboten. Prüfen Sie, welches Zertifikat wirklich hinter dem Badge steht und ob der umgebende Text noch generische Claims enthält.

Was ist der Unterschied zwischen ECGT und der Green Claims Directive?

Amazon setzt die ECGT-Richtlinie (Richtlinie (EU) 2024/825) durch, Anwendung ab 27. September 2026. Die Green Claims Directive ist ein anderes, nicht in Kraft getretenes Vorhaben. Für Ihr Listing zählt, was Amazon in Product Compliance und in der Vendor-Central-Hilfe verlangt.

Ich bin Wiederverkäufer und habe keine Testdaten. Was jetzt?

Amazon erwartet, dass Sie die Unterlagen beim Lieferanten anfordern. Fehlen sie, müssen die Claims vom Listing runter. Wenn Sie das Produkt nicht mehr anbieten wollen, setzen Sie es in Vendor Central auf dauerhaft nicht verfügbar. Die Verantwortung für die Detailseite bleibt bei Ihnen.

Gilt das auch für Seller, nicht nur für Vendoren?

Ja. Die ersten Aufforderungen gehen an Vendor Central, ECGT gilt aber für alle, die an EU-Verbraucher verkaufen. Seller sollten Account Health, Product Compliance und dieselben Claim-Typen prüfen wie Vendoren.

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